Medikationsliste in der ePA: warum sie kein Medikationsplan ist und was seit Juli 2026 kommt

Inhalt
- Was steht heute in der elektronischen Medikationsliste (eML)?
- Warum ist die Medikationsliste unvollständig?
- Was ist der Unterschied zwischen eML und eMP?
- Ersetzt der eMP den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) schon?
- Wann kommt der digital gestützte Medikationsprozess in die Praxis?
- Was sollte Ihre Praxis jetzt tun?
Viele Praxen öffnen seit dem ePA-Start die Medikationsliste eines Patienten und wundern sich: Da fehlen Medikamente, da steht keine geprüfte Dosierung, und hochladen lässt sich auch nichts. Beides ist kein Fehler, sondern Konzept. Die elektronische Medikationsliste (eML) ist etwas anderes als der Medikationsplan, den Patienten aus der Praxis kennen. Gleichzeitig bewegt sich gerade viel: Die gematik hat am 1. Juli 2026 neue ePA-Funktionen angekündigt, darunter den elektronischen Medikationsplan (eMP). Dieser Beitrag ordnet ein, was heute verbindlich gilt, was Planung ist und was Ihre Praxis davon hat.
Was steht heute in der elektronischen Medikationsliste (eML)?
Die eML ist seit dem Start der ePA für alle verfügbar und füllt sich automatisch: Der eRezept-Fachdienst überträgt Verordnungs- und Abgabedaten in die Akte, sobald ein eRezept ausgestellt und in der Apotheke eingelöst wird. Niemand in der Praxis muss die Liste pflegen, und genau deshalb ist sie auch kein kuratierter Plan, sondern eine chronologische Übersicht der per eRezept gelaufenen Medikation. Ihr Wert im Alltag: Sie zeigt auch, was Kollegen anderer Fachrichtungen verordnet haben.
Warum ist die Medikationsliste unvollständig?
Weil nur ankommt, was als eRezept über den Fachdienst läuft. Selbstmedikation aus der Apotheke fehlt, Betäubungsmittel und andere Papier-Verordnungen fehlen, und eine fachliche Prüfung oder Zusammenführung findet nicht statt. Zudem können Patienten Inhalte ihrer Akte einschränken. Die eML ersetzt also weder die Medikamentenanamnese noch den Medikationsplan, sie ergänzt beides. Mit der aktuellen Ausbaustufe plant die gematik immerhin Nachträge direkt in der eML: Einrichtungen sollen rezeptfreie Präparate und Betäubungsmittel ergänzen können.
Was ist der Unterschied zwischen eML und eMP?
Die eML ist eine automatisch erzeugte Liste, der eMP ein gepflegter Plan. Der elektronische Medikationsplan soll die aktuelle, einrichtungsübergreifende Gesamtmedikation eines Versicherten strukturiert abbilden und von Haus- und Fachärzten sowie Apotheken gemeinsam gepflegt werden. Perspektivisch soll er den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) ersetzen, den Patienten heute als Ausdruck erhalten. Kurz gesagt: Die eML dokumentiert, was verordnet und abgegeben wurde, der eMP soll ordnen, was der Patient tatsächlich einnimmt.
Ersetzt der eMP den bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) schon?
Nein, noch nicht. Der Anspruch auf einen Medikationsplan ist gesetzlich geregelt: Wer gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwendet, hat nach § 31a SGB V Anspruch darauf, in der Praxis bleibt der BMP mit Ausdruck der gelebte Standard. Die Norm kennt dabei schon heute eine elektronische Fassung des Medikationsplans in der ePA, und die Ablösung des Papierplans durch den eMP ist erklärtes Ziel der gematik. Ein Zeitpunkt, ab dem der Ausdruck entfällt, ist aber nicht veröffentlicht. Bis dahin gilt: BMP weiter erstellen und aktualisieren wie bisher.
Wann kommt der digital gestützte Medikationsprozess in die Praxis?
Nach gematik-Planung in Stufen. Seit dem 1. Juli 2026 erhalten die ePA-Apps der Krankenkassen schrittweise Push-Benachrichtigungen, der eMP-Rollout startet nach gematik-Angaben ab Mitte Juli 2026 schrittweise. Ab Sommer 2026 wird die Ausbaustufe ePA 3.1.3 mit dem digital gestützten Medikationsprozess (dgMP) in den Modellregionen pilotiert, dabei werden eRezept, eML und eMP verknüpft. Flächendeckend sollen die beschlossenen Funktionen nach gematik-Planung Anfang 2027 ausgerollt sein. Das sind Planungstermine, ein gesetzlicher Stichtag für Praxen ist nicht veröffentlicht. Wann die Funktionen bei Ihnen ankommen, entscheidet praktisch der Update-Fahrplan Ihres PVS-Herstellers.
Was sollte Ihre Praxis jetzt tun?
Vier Dinge, ganz ohne Hektik. Erstens die eML dort nutzen, wo sie heute schon hilft: als Überblick über fremdverordnete Medikation direkt im PVS. Zweitens die Lücken kennen und den BMP weiter sauber pflegen, denn er bleibt der verbindliche Plan. Drittens Quartals- und Zwischenupdates der Praxissoftware zeitnah einspielen, weil eMP und dgMP genau darüber in die Praxis kommen. Viertens das Team kurz briefen, damit niemand die automatische Liste mit einem geprüften Plan verwechselt. Als zertifizierter MEDICAL OFFICE Partner halten wir für unsere Praxen den Update-Stand und die TI-Anbindung aktuell und ordnen ein, was jede neue ePA-Stufe konkret bedeutet. Ein Rückruf erfolgt in der Regel innerhalb von zwei Stunden (Mo bis Fr).
Häufige Fragen
Kann ich den Medikationsplan (BMP) in die ePA hochladen?
Ein direkter Upload in die Medikationsliste ist nicht vorgesehen, die eML erzeugt sich automatisch aus den eRezept-Daten des Fachdiensts. Der gepflegte Plan in der ePA ist der elektronische Medikationsplan (eMP), dessen schrittweiser Rollout nach gematik-Angaben ab Mitte Juli 2026 beginnt und der den BMP perspektivisch ersetzen soll. Bis dahin bleibt der BMP mit Ausdruck der Standard.
Muss meine Praxis die Medikationsliste pflegen?
Nein. Die eML füllt sich automatisch aus Verordnungs- und Abgabedaten des eRezept-Fachdiensts, eine Pflege-Pflicht für Praxen gibt es nicht. Verbindlich ist seit dem 1. Oktober 2025 die Nutzung der ePA als solche. Unabhängig davon besteht der Anspruch auf einen Medikationsplan nach § 31a SGB V weiter, sobald ein Patient gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwendet.
Ab wann gibt es den elektronischen Medikationsplan (eMP) für alle?
Die gematik nennt einen schrittweisen Rollout ab Mitte Juli 2026, zunächst wird der digital gestützte Medikationsprozess ab Sommer 2026 mit Einrichtungen in den Modellregionen pilotiert. Flächendeckend sollen die beschlossenen Funktionen nach gematik-Planung Anfang 2027 ausgerollt sein. Das sind Planungstermine der gematik, kein gesetzlicher Stichtag für Praxen.
Warum fehlen Medikamente in der Medikationsliste meines Patienten?
In der eML erscheint nur, was als eRezept über den Fachdienst gelaufen ist. Selbstmedikation, Betäubungsmittel und Papier-Verordnungen fehlen, außerdem können Patienten Inhalte ihrer Akte einschränken. Die Liste ist deshalb eine Ergänzung zur Medikamentenanamnese, kein Ersatz. Nachträge für rezeptfreie Präparate und Betäubungsmittel durch Einrichtungen sind Teil der aktuellen gematik-Ausbaustufe.
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